17.10.2019

Operation Mockingbird - 30% des jährlichen Budgets des CIA-Geheimdienst werden für mediale Propaganda-Projekte ausgegeben

Veröffentlicht auf stillnessinthestorm.com am 16.10.2019

Im Original von Humans are Free am 07.10.2019

Quelle: Humans Are Free

 

"Ungefähr ein Drittel des gesamten (jährlichen) CIA-Budgets floss in Operationen medialer Propaganda...hier geht es um hunderte Millionen von US-Dollar pro Jahr, nur dafür ... fast eine Milliarde US-Dollar werden jedes Jahr von den Vereinigten Staaten für geheime mediale Propaganda-Projekte ausgegeben."  - Aussage von William Schaap vor dem US-Kongress (Quellen-Nachweis 252)

 

1948 riefen die Vereinigten Staaten mit dem Marshall-Plan eine Initiative ins Leben, um dem zerstörten Europa bei der Erholung vom Krieg zu helfen. Die CIA beschloss dabei, Gelder für die Einrichtung des Amtes für politische Koordinierung abzuzwacken, das fortan als Abteilung für verdeckte (undercover) Aktionen fungieren sollte. (Quellen-Nachweis 253)

Im Rahmen dieses Programms begann die so genannte Operation Mockingbird, eine Propagandakampagne zur Förderung und Unterstützung CIA basierender Meinungen, Berichte und Ansichten in den Medien. Die Operation Mockingbird war von Beginn an eine der sensibelsten Operationen der CIA. Hierbei wurden Journalisten rekrutiert und Geheimdienstoffiziere für Propagandazwecke ausgebildet, und das in der Regel direkt persönlich von CIA-Direktor Allen Dulles selbst oder seinen direkten Kollegen. (Quellen-Nachweis 254)

 

Es ist ein Irrglaube, die CIA habe Medieninstitutionen ohne deren Wissen infiltriert. Die tatsächliche Rekrutierung von Journalisten erfolgte häufig unter Mitwirkung des Top-Managements und sogar der Eigentümer dieser Medienanstalten. Der frühere CIA-Direktor William Colby erklärte während der Ermittlungsanhörungen des Church-Untersuchungsausschuß: „Gehen wir zu den obersten Chefs; die freuen sich schon.

Die New York Times, Newsweek, Associated Press (AP) und der Miami Herald gehörten u.a. zu jenen Medien-Institutionen, welche die Propagandabemühungen der CIA unterstützten. Die Deckung der integrierten CIA-Agenten war sogar Teil der Firmenphilosophie der New York Times, die der verstorbene Verleger Arthur Hays Salzberger selbst erstellte.

 

Der Untersuchungsausschuß und die damit einhergehende Untersuchung der Frank-Church mit dem offiziellen Titel Ausgewählter Ausschuß zur Untersuchung von Regierungsoperationen im Hinblick auf nachrichtendienstliche Aktivitäten, stellte zahlreiche Beweise in Bezug auf die Operation Mockingbird fest und kam zu foldendem Schluß:

 

"Die CIA unterhält derzeit ein Netzwerk mehrerer hundert ausländischer Personen weltweit, deren Aufgabe es ist, Informationen für die CIA bereitzustellen und zuweilen zu versuchen, die (öffentliche) Meinung durch den Einsatz verdeckter Propagandainhalte zu beeinflussen. Diese Personen bieten der CIA den direkten Zugang zu einer Vielzahl von Zeitungen und Zeitschriften, zahlreichen Pressediensten und Nachrichtenagenturen, Rundfunk- und Fernsehsendern, kommerziellen Buchverlagen und anderen ausländischen Medien." (Quellen-Nachweis 256)

 

Der für seine exzellente Recherche des Watergate-Skandals berühmte Reporter Carl Bernstein schrieb:

"Joseph Alsop ist einer von mehr als 400 amerikanischen Journalisten, die in den letzten 25 Jahren laut Akten des CIA-Hauptquartiers, Aufträge für die Central Intelligence Agency (CIA) ausgeführt haben. Einige der Beziehungen dieser Journalisten zur Agentur waren stillschweigend, einige waren bekannt. Da gab es Kooperationen, Anpassungen und Überschneidungen. Journalisten offerierten (der CIA) eine breite Palette von Unterstützungen - von der einfachen Erhebung von Informationen bis hin zur Vermittlung von Spionen in kommunistische Länder.

Reporter stellten der CIA ihre Notizen zur Verfügung und Redakteure sogar deren Mitarbeiter. Einige dieser Journalisten waren Pulitzer-Preisträger, angesehene Reporter, die sich selbst als Botschafter für ihr Land betrachteten, ohne jedoch die geringste Ahnung zu haben.

Die Meisten waren jedoch weniger ruhmreich: ausländische Korrespondenten, die von ihrer Verbindung zur CIA insofern profitierten, daß die journalistische Arbeit irgendwie leichter fiel;  Jobber und Freiberufler, die sich für das Spionagegeschäfts ebensoviel interessierten, wie für niederrangige Aktivitäten wie das Archivieren von Artikeln. Last but not Least die kleinste Kategorie: Vollzeit-CIA-Mitarbeiter, die sich als Journalisten im Ausland ausgaben.

In vielen Fällen, so zeigen CIA-Dokumente, wurden Journalisten mit Zustimmung des Managements der führenden amerikanischen Nachrichtenorganisationen beauftragt, Aufgaben für die CIA zu erledigen." (Quellen-Nachweis 257)

 

Obwohl die Mehrheit der Mockingbird-Operationen Übersee stattfanden, bestand das oberste Ziel doch darin, schlagkräftige Berichte in der us-amerikanischen Presse zu verbreiten. Die engen Beziehungen der CIA zu den wichtigsten Medieninstitutionen der Vereinigten Staaten, haben sicherlich zu diesem Ziel beigetragen.

Joseph Bernstein benennt die New York Times, CBS und Time Inc. als die produktivsten Beziehungen der CIA.  Diese Organisationen gründeten auch ebenfalls führende (Nachrichten-)Agenturen in Übersee. In der Öffentlichkeit gaben diese ein Erscheinungsbild der öffentlichen, freien Presse ab, wurden jedoch rein privat seitens der o.g. Medienunternehmen betrieben. Ein Beispiel hierfür ist die Rome Daily American, die sich drei Jahrzehnte zu 40% im Besitz der CIA befand. (Quellen-Nachweis 258)

 

Eine weitere Strategie war es, Beziehungen zu großen Medieninhabern wie William Paley von CBS aufzubauen und Informationen über Journalisten, Schauspieler und Drehbuchautoren weiterzugeben, welche nicht die Ansichten der CIA wiederspiegelten. Solche Informationen wurden auch an gesinnungsgetreue Kongressabgeordnete wie Joseph McCarthy weitergegeben. Diese Personen der Öffentlichkeit würden dann auf eine Art schwarze Liste gesetzt.

 

Lee J. Cobb war einer dieser us-amerikanischen Schauspieler, die auf die schwarze Liste gesetzt wurden und er berichtet über seine Erfahrungen wie folgt:

"Wenn du im Visier von US-Regierungsorganisationen bist, dann kann das wirklich schrecklich sein. Und die schwarze Liste bildet hier nur den Anfang. Du verlierst deinen Job, dir wird dein Reisepass entzogen - das ist wirklich einschüchternd. Jedoch nicht in der Lage zu sein, sich zu bewegen, ohne verfolgt zu werden, das ist eine andere Kategorie. Dann irgendwann wirst du bedroht und regelrecht eingeengt; das ist der Moment, wo ein Mensch einknickt."

Meine Frau hielt es nicht länger aus; und so wurde sie institutionalisiert; eingebunden und ausgenutzt. 1953 ging ich einen Deal mit dem HCUA (Komitee für unamerikanische Umtriebe) ein; ich war einfach fertig und erschöpft. Ich war pleite und niemand lieh mir mehr etwas. Und ich hatte die Verantwortung für meine Kinder! Wie kann ich nur meine Liebsten da mit hinein ziehen? ...jeder andere Familienvater würde genau so denken. Ich entschied mich dazu, daß es nicht Wert sei, mein Leben hinzugeben für eine Meinung. Und wenn das der einzige Weg ist, aus diesem Desaster heraus zu kommen, dann soll es eben so sein. Ich musste wieder ins Leben zurück kehren."

 

Man ging bei der CIA sogar so weit, Drehbücher für die Hollywood-Filmindustrie zu schreiben. Ein gutes Beispiel dafür ist die Finanzierung der Verfilmung von Animal Farm aus dem Jahr 1954, einem Buch, das George Orwell vor knapp einem Jahrzehnt geschrieben hat und sehr erfolgreich war.

Die CIA hatte ein Problem damit, daß der Buchautor George Orwell ein Sozialist war und sein Buch sowohl den Kapitalismus als auch den Kommunismus anprangerte. Um diese Unstimmigkeit auszuschließen, änderte die CIA kurzerhand das Ende der Hollywood-Version, um den Kapitalismus so in einem deutlich besseren Licht darzustellen. (Quellen-Nachweis 260)

 

Youtube-Video zum Thema "Operation Mockingbird" (in engl. Sprache)

 

Auch wurden inländische Journalisten, die klassifiziertes bzw. geheimes Material veröffentlichten, überwacht. Zum Beispiel wurde in einem Hilton-Hotel ein physischer Überwachungsposten eingerichtet, um das Büro des Redakteurs der Washington Post, Michael Getler, zu überwachen. (Quellen-Nachweis 261)

Diese Operation widersprach eigentlich der Charta der CIA, die das Ausspionieren inländischer Individuen ausdrücklich untersagt und betraf zahlreiche Mitglieder des Washingtoner Presse; sie wurde von John F. Kennedy persönlich, in Abstimmung mit CIA-Direktor John McCone, unterzeichnet.

 

In einem CIA-Dokument heißt es: "Veröffentlichen oder verbreiten Sie Buchtitel/Bücher im Ausland, ohne jedoch irgendeinen Einfluss der USA erkennen zu lassen. Verheimlichen Sie ausländische Publizisten oder Verlage. Sehen sie zu, daß Buchveröffentlichungen stattfinden, die (unseren) operativen Zwecken dienen; unabhängig eines kommerziellen Erfolgs der Veröffentlichung."

Der Church-Ermittlungsausschuß kam zu dem Schluß, daß im Rahmen dieser Maßgabe mehr als 1000 Bücher veröffentlicht wurden. (Quellen-Nachweis 263)

 

Entgegen den Veröffentlichungen der CIA, die Operation Mockingbird sei 1976 eingestellt worden, sind einige investigative Journalisten da anderer Meinung. Zum Beispiel behauptete der investigative Journalist Steve Kangas im Jahr 1998, der konservative Milliardär Richard Mellon Scaife, seines Zeichens Leiter der ausländischen Nachrichtenorganisation Forum World Features, war ein CIA-Aktivposten, der seine Organisation dafür nutzte, CIA gelenkte Propaganda in den Vereinigten Staaten zu verbreiten. (Quellen-Nachweis 264)

Kangas fand man letztendlich mit einem Kopfschuß im Büro von Richard Scaife. Angeblich soll es ein Selbstmord gewesen sein, obwohl es Unstimmigkeiten sowohl im Polizeibericht als auch dem Autopsiebericht gab. (Quellen-Nachweis 265)

 

Das Ergebnis und die Schlussfolgerung des Church-Untersuchungsausschuß spiegeln genau jene Probleme wider, die mit der Operation Mockingbird einher gehen:

"Bei der Prüfung der bisherigen und gegenwärtigen Ausnutzung/Beeinflussung der US-Medien durch die CIA, sieht der Ausschuß zwei Gründe zur Besorgnis:

1. das Potenzial innerhalb dieser geheimen, medialen Operationen/Projekte, um die amerikanische Öffentlichkeit zu manipulieren oder in die Irre zu führen.

2. die Beeinträchtigung der Glaubwürdigkeit und der Unabhängigkeit einer freien Presse, welche durch verdeckte Beziehungen zu US-Journalisten und Medienorganisationen hervorgeht." (Quellen-Nachweis 266)

 

Staatlichen Medien ausgesetzt zu sein kann für die betreffenden Menschen zwar als unangenehm empfunden werden, jedoch können die sich so zumindest der Vorurteile bewusst sein und Informationen entsprechend filtern.

Uns US-Amerikanern wurde von Geburt an die Lüge aufgetischt, die US-Presse dürfe sich nicht in Regierungsangelegenheiten einmischen. In einer Situation, in der die Manipulation völlig geheim ist, wurde die amerikanische Öffentlichkeit nicht auf diese Propaganda aufmerksam, die seit Jahrzehnten stattfindet.

 

Anmerkung:

Auch die einschlägigen, deutschen Medienkonzerne und Nachrichtenagenturen sind in privater Hand und führen bei bereits einfacher Recherche schnell zu eben jenen Organisationen, die im aufgeführten Bericht auftauchen.