18.10.2019

Schlag gegen Pädophilie - Behörden hebeln im Darknet die weltweit größte Internet-Tauschbörse für Kinderpornografie aus; auch Deutschland ist betroffen

Veröffentlicht auf stillnessinthestorm.com am 17.10.2019

Im Original von Cyrus Farivar & Andrew Blankstein/NBC News am 16.10.2019

Quelle: NBC News

 

Die Staatsanwaltschaft gibt an, daß der gewaltige Online-Shop von Jong Woo Son betrieben wurde, den derzeit in Südkorea auf Grund der Anklage wegen des Besitzes/Handels mit Kinderpornografie erneut eine diesmal lange Haftstrafe erwartet. Die Staatsanwaltschaft erhob mehrfach Anklage gegen den 23-jährigen südkoreanischen Mann, der beschuldigt wird, den wohl weltweit größten Markt für Kinderpornografie im Darknet/Internet betrieben zu haben.

 

Die jetzt seitens der Behörden geschlossene, englischsprachige Website mit dem Titel Welcome to Video enthielt mehr als 200.000 eindeutige Videos und fast 8 Terabyte an Daten, die sexuelle Handlungen mit Kindern, Kleinkindern und sogar Säuglingen zeigen. Dabei wurden 7.300 Bitcoin-Transaktionen im Wert von mehr als 730.000 US-Dollar durchgeführt.

Laut Staatsanwaltschaft wurde der Online-Shop von Jong Woo Son betrieben, einem südkoreanischen Staatsbürger, der aktuell auf Grund einer vorhergehenden Verurteilung im Zusammenhang mit Kinderpornografie, eine 18-monatige Haftstrafe in seinem Heimatland verbüßt. Die Website war von Juni 2015 bis zur Beschlagnahmung und Schließung durch die US-Behörden im März 2018 in Betrieb.

 

Im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwochmorgen (16.10.2019) teilten US-Beamte mit, 337 mutmaßliche Nutzer der Website seien bislang weltweit festgenommen worden.

 

US Staatsanwältin Jessie Liu und weitere Offizielle beschreiben auf der Pressekonferenz
am 16.10.2019 in Washington D.C. die Ermittlungen
in Bezug auf eine Tauschbörse
für Kinderpornographie im Darknet/Internet
Cyrus Farivar/NBC News

 

"Sie mögen sich vielleicht hinter der Technologie verstecken können“, sagte Jessie Liu, US-Staatsanwältin für den District of Columbia, "aber wir werden Sie finden, verhaften und strafrechtlich zur Rechenschaft ziehen."

Fast die Hälfte der jetzt sichergestellten Videos waren dem Nationalen Zentrum für vermisste und misshandelte Kinder noch nicht bekannt, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Richard Downing. "In diesen Videos tauchen viele Kinder auf, deren Identität noch nicht bekannt ist."

 

"Das Ausmaß dieses Verbrechens sei wirklich schockierend und für alle Beteiligten sehr belastend", so John D. Ford, Chef der IRS Criminal Investigation-Behörde.

Laut Aussagen der Behörden-Mitarbeiter am Mittwoch, konnten die Nutzer der Internetseite an einer Art Punktesystem teilnehmen und somit umso mehr Punkte sammeln, je mehr illegales Videomaterial hochgeladen wurde.

Einer dieser Nutzer, ein ehemaliger US-Strafverfolgungsbeamter, hatte nicht weniger als 50 Stunden Videomaterial über die Internetseite herunter geladen.

 

Jong Woo Son wurde bereits im August 2018 wegen Kinderpornografie angeklagt, die Akte wurde jedoch bis zum 16.10.2019 versiegelt gehalten.

 

Neben Son wurden bis Mittwoch mehr als 300 weitere Verdächtige in Südkorea verhaftet, während in anderen Ländern, einschließlich Großbritannien und den Vereinigten Staaten, weitere Verdächtige ermittelt wurden; darunter ein Mann aus Washington D.C, der Videomaterial mit einer Gesamtlänge von 50 Jahren heruntergeladen hatte. (Anm.: Allein diese Zahl zeigt auf, welcher Umfang an kinderponografischem Material auf den Servern der Internetseite bereit gestellt wurde!)

Die Website wurde ausschließlich im so genannten Darknet betrieben, einem Bereich des Internets, auf den nur über einen Gateway-Browser zugegriffen werden kann. Dieser dient hauptsächlich dazu, die Online-Aktivitäten der Benutzer zu schützen und so digitale Fußabdrücke zu verdecken. Benutzer konnten Videos über die Kryptowährung Bitcoin erwerben und eine jährliche Mitgliedschaft kostete 0,03 Bitcoins (zu aktuellen Wechselkursen rund 300 US-Dollar).

 

Dieser Hinweis erschien bei Aufruf der Website, nachdem
die Ermittlungsbehörden
zugeschlagen hatten

 

Mitglieder der Seite konnten sich also Punkte verdienen, indem neue und beliebte Videos/Videoarten auf die Website hochgeladen oder neue Mitglieder angeworben wurden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft bat die Website nur um kinderponografische Medien. Auf der Startseite ist in roter Fettschrift vermerkt: „Keine Pornos mit Erwachsenen hochladen“. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft hat auch ein entsprechendes zivilrechtliches Ersuchen eingereicht, Bitcoin-Vermögenswerte von zunächst 24 unterschiedlichen Konten zu beschlagnahmen.

 

Das Schlüsselereignis in den Untersuchungen fand im September 2017 statt, als ein assistierender Agent/Ermittler des IRS bemerkte, daß der Administrator der Website auf Grund einer Fehlkonfiguration seine südkoreanische IP-Adresse und so letztendlich die Identität des Eigentümers offenlegte. Im Zuge der strafrechtlichen Untersuchungen führten die Behörden kontrollierte Käufe illegaler Videos über die Website durch und arbeiteten dabei eng mit der Staatsanwaltschaft in Washington D.C zusammen.

 

Die Beschlagnahmung der Website fand im März 2018 statt, als Son von den südkoreanischen Behörden festgenommen wurde. Die Korean National Police Agency (KNPA) gab die Festnahme eines Mr.  A aus Danjin, ungefähr zwei Stunden südwestlich von Seoul, am 2. Mai 2018 bekannt. Sie bestätigten später gegenüber NBC News, daß es sich dabei um Jong Woo Son handelte. In Bezug auf Son's Auslieferung, wollte sich die ermittelnde Staatsanwältin Jessie Liu am Mittwoch auf Nachfrage nicht äußern.

 

Fünf angeklagte US-Staatsbürger identifiziert

 

NBC News konnte fünf der in diesem Fall Angeklagten in den USA identifizieren. Ein Benutzer, Nicholas Stengel, aus Washington D.C, bekannte sich Ende letzten Jahres schuldig und wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Staatsanwaltschaft gab an, daß allein er kinderpornografische Videos mit einer Gesamtlaufzeit von mehr als 50 Jahren heruntergeladen habe. Im April 2019 wurde Mark Rohrer, ein Mann aus West Hartford, Connecticut, zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem er sich im September 2018 zu ähnlichen Vorwürfen für schuldig bekannte.

 

Weitere Angeklagte sind Richard Gratkowski, ein ehemaliger Agent der US-Behörde für Heimatschutz. Er bekannte sich im Mai 2019 für schuldig und wurde zu 70 Monaten Haft verurteilt. Nach Angaben des FBI verwendete Gratkowski Coinbase, ein hinlänglich bekanntes Online-Wallet Unternehmen, und wies sich dort über seinen offiziellen Behördenausweis aus.

 

Ebenfalls im Mai 2019 wurde auf Rhode Island ein Armee-Veteran namens Stephen P. Langlois zu 42 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er 114 Videos von der Website heruntergeladen hatte.

Ein texanischer Angeklagter, Michael Ezeagbor, bekannte sich in diesem Jahr schuldig, 42 Videos heruntergeladen und 10 Videos hochgeladen zu haben. Seine Verurteilung ist für Freitag (18.10.2019) angesetzt. Die Staatsanwaltschaft fordert mindestens sieben Jahre Haft und (danach) zehn Jahre beaufsichtigter Freigang.

 

Im Zuge der Verhaftung von „Mr.  A” in 2018 teilte die südkoreanische Polizei mit, sie habe insgesamt 156 Südkoreaner auf Grund des Vorwurfs des Hoch- bzw. Runterladens von kinderpornografischem Material festgenommen. Dies erscheint ungewöhnlich und erstaunlich zugleich, da die Website ausschließlich in englischer Sprache betrieben wurde.

"Die meisten Benutzer waren um die 20 Jahre alt, unverheiratete Angestellte und Erst-Straftäter, obwohl es sich bei einigen um verurteilte Sexualverbrecher handelte; darunter auch jugendliche Sexualstraftäter. Einer von ihnen besaß 48.634 Dateien mit kinderpornografischem Inhalt“, so die Aussagen der KNPA.

 

Paul Jenkins, Leiter des Resorts Amerikanische Region der britischen National Crime Agency  sagte auf der Pressekonferenz am Mittwoch, daß 18 Ermittlungen bei mutmaßlichen Nutzern der Website zu sieben Verurteilungen geführt haben und ein Angeklagter zu 22 Jahren Haft verurteilt worden sei.

Dieser Fall, so Jenkins, zeige Umfang, Zunahme und Komplexität kinderpornografischer Kriminalität auf.

 

Andrew Blankstein berichtete aus Los Angeles. Stella Kim trug zur Berichterstattung aus Seoul bei.

 

Ergänzungen zum Bericht in Bezug auf Deutschland:

Ende September/Anfang Oktober berichtete der Mainstream-Sender ZDF innerhalb der Nachrichtensendung "heute" darüber, daß in einem Rheinland-Pfälzischen Ex-Nato-Bunker im Rahmen einer großangelegten Polizeiaktion mit insgesamt 650 Beamten, eine umfangreiche Server-Anlage des Darknet aufgedeckt wurde. Das zeigt auf, daß internationale Kriminalität im Bereich der Kinderpornografie und des Kindesmißbrauchs, in Deutschland maßgeblich beheimatet ist. Wir berichteten hier bereits mehrfach über den verurteilten Kinderschänder, Kinderhändler und Milliardär Jeffrey Epstein, sowie dessen Verbindungen zum Microsoftgründer Bill Gates. Zudem auch über den Nexium-Fall um dessen Führer Keith Reniere und die bekannte Smallville-Schauspielerin Allison Mack.

Die Berichterstattung dazu in den hiesigen Medien bleibt jedoch "sehr überschaubar". Und das, obwohl gemäß der Darstellung der ermittelnden US-Behörden, Deutschland bei den Ermittlungen -wie auch Südkorea, eine wichtige Rolle einnimmt. Für das ZDF ist die Sache mit einem 1minütigen Bericht abgetan; kein Wort zuviel dazu, daß es sich nicht nur um Cyberkriminalität im weitesten Sinne handelt, sondern um die weltweit größte Online-Börse für Kinderpornografie! Das läßt erneut Spielraum für Spekulationen, warum die deutschen Medien so vehement schweigen, wenn es um Kindesmißbrauch (wie im Fall Jeffrey Epstein) und Kinderpornografie in diesem aktuellen Fall geht. Gilt hier wohlmöglich der Grundsatz: Wo kein Kläger, da kein Richter? Nun, das trifft jetzt scheinbar nicht mehr zu, denn die US-Staatsanwältin Jessie Liu als Kläger scheint noch deutlich tiefer in den Kaninchenbau dieses Kinderpornografie-Rings tauchen zu wollen. Vermutlich geht es eher darum, "keine schlafenden Hunde zu wecken." Doch das wird zukünftig sicher zunehmends schwieriger werden für die deutschen Qualitäts-Medien. Denn es ist davon auszugehen, daß den ermittelnden Behörden im aktuellen Fall neben den zig Terabyte an Videos, Bildern und sonstigen kranken Zeugs, sicherlich eine für den Durchschnittsbürger nicht nachvollziehbare Anzahl an Nutzern und deren Identitäten vorliegen. Und wer weiß schon, welche Namen dann auf einmal fallen/auftauchen?!?