12.03.2019

Spiritualität und Glauben stehen in Zusammenhang mit einer Schutzfunktion des Gehirns vor Depressionen

Veröffentlicht auf stillnessinthestorm.com am 11.03.2019

Von Carly Cassella am 10.02.2019

 

Religiöse Überzeugungen oder ein Gefühl der Spiritualität, können das Gehirn einiger Menschen vor Depressionen schützen.

Eine Studie hat eine merkwürdige Verbindung zwischen unseren persönlichen Überzeugungen und der Dicke des "White Matter" in unseren Gehirnwindungen gefunden. Die Idee steckt noch in den Kinderschuhen, aber wenn sich Erkenntnisse wie diese mit anderen zusammen kommen, wird die Verbindung zwischen Depression und Religion bzw. Glauben immer faszinierender. Heute wissen wir, dass Depressionen zumindest teilweise eine Folge unserer Gene sind. Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, aus denen hervorgeht, dass bei Depressionen eines oder beider Elternteile, das Depressionsrisiko eines Kindes um das Doppelte oder sogar das Vierfache des Durchschnitts steigt.

 

Während diese Studien stark auf eine genetische Komponente schließen lassen, betreffen Depressionen nicht alle mit einem depressiven Elternteil und können auch bei Personen ohne jegliche Familienanamnese auftauchen. Dies bedeutet, dass einige andere Faktoren im Spiel sein müssen, und die wesentliche Weltanschauung einer Person kann einer jener Faktoren sein.

Bei Erwachsenen mit einem hohen familiären Risiko für Depressionen, schien ein fester Glaube an Religion oder Spiritualität - egal wie dies aktiv umgesetzt wurde - einen schützenden Effekt zu haben, der einige Patienten vor einem erneuten Auftreten einer Major-Depression (MDD) schützte. Diese Studie wird durch eine weitere aus dem Jahr 2005 untermauert, in der festgestellt wurde, dass Religion/Glauben bei Menschen mit schlechter Gesundheit als Puffer gegen Depressionen dient. Eine Studie aus dem Jahr 2013 wiederum ergab, dass diejenigen, die wegen psychischer Beschwerden behandelt werden, besser auf die Behandlung reagieren, wenn sie an Gott glauben. Geht man hier noch etwas tiefer, so nutzte die neue Forschung eine Art MRI-basiertes Neuroimaging, das als Diffusionstensor-Imaging bezeichnet wurde, um die weiße Substanz im Gehirn von 99 Teilnehmern mit unterschiedlichem familiärem Risiko für Depressionen sichtbar zu machen.

 

White Matter ist das blasse Gewebe, aus dem die Hirnrinde besteht und dort sind die Schaltkreise, welche die Gehirnzellen benötigen, um miteinander zu kommunizieren. Frühere Forschungen haben gezeigt, dass dünneres bzw. schwächeres White Matter ein Biomarker für Depressionen im Gehirn ist, und eine Studie aus dem Jahr 2014 ergab, dass Religion und Spiritualität, mit einem ausgeprägten Kortex zusammen, in mehreren mit Depression verbundenen Gehirnregionen in Verbindung stehen. Die Ergebnisse der neuen Studie untermauern diesen Zusammenhang nochmals.

Die Forscher entdeckten, dass Personen mit hohem familiärem Risiko für Depressionen und mit wichtigen religiösen oder spirituellen Überzeugungen ein Gehirn hatten, das Teilnehmern mit geringem familiärem Depressionsrisiko ähnelte.  "Wir fanden heraus, dass der Glaube an die Wichtigkeit von [Religion oder Spiritualität] mit dickeren Cortices in bilateralen Parietal- und Okzipitalbereichen assoziiert war", so die Autoren der Studie.

 

Da wir zuvor über kortikale Ausdünnung in diesen Regionen als stabilen Biomarker für das Depressionsrisiko berichtet hatten, stellten wir die Hypothese auf, dass die dickeren Windungen bei jenen Probanden, die über eine hohe Wichtigkeit in Bezug auf religiöser oder spiritueller Überzeugungen berichten, als Ausgleichs- oder Schutzmechanismus dienen können. So interessant wie das auch sein mag; für den Moment ist es das Einzige, dass dazu gefolgert werden kann.  Bis wir mit Sicherheit sagen können, welche Auswirkungen Religion und Glauben auf das White Matter haben, ganz zu schweigen auf Depressionen, müssen sowohl diese Studie als auch zahlreiche andere Studien wiederholt, validiert und über längere Zeiträume ausgedehnt werden. Wenn es um das menschliche Gehirn geht, gibt es keine einfache Antwort.

 

Die betreffende Studie wurde (in englischer Sprache) veröffentlicht unter Brain and Behaviour