22.09.2019

Wie negative Kindheitserfahrungen unsere Beziehungen beeinflussen

Veröffentlicht auf stillnessinthestorm.com am 22.09.2019

Im Original von Renee Catt am 26.08.2019; übersetzt von die-lebenskraft.de

Quelle: Psych Central

 

Kindheitstraumata sind überraschend häufig und weit vebreitet; sie sind verständlicher Weise schmerzlich. Aber es gibt Heilung!

 

Erst durch meinen persönlichen Tsunami einer Scheidung und daraus resultierend die Konfrontation mit einem sehr lange andauernden Traumata, verursacht durch die Erfahrungen einer frühen Kindesmißhandlung; und das beides sozusagen zur gleichen Zeit, habe ich herausgefunden, was Liebe tatsächlich ist.

Also: Ich war ein Opfer (Entschuldigung, ich mag diese Bezeichnung eigentlich nicht, aber es ändert nunmal nichts daran, daß es so ist) von Kindesmissbrauch, was die moderne Medizin weitläufig als negative Kindheitserfahrungen bezeichnet.

 

Was sind negative Kindheitserfahrungen eigentlich?

 

Gemäß der Definition des Centers for Disease Control (CDC) bezeichnet der Begriff „negative Kindheitserfahrungen“ alle Arten von Missbrauch, Vernachlässigung und anderer potenziell traumatischer Erfahrungen, die bei Menschen unter 18 Jahren auftreten können.

Der Begriff entstand in den 1990er Jahren, nachdem Dr. Vincent Felitti, Leiter der Abteilung für Präventivmedizin am Kaiser Permanente in San Diego, einen Zusammenhang zwischen Kindheitstraumata und gesundheitsschädigenden Bewältigungsmechanismen bei Depressionen und Angstzuständen entdeckte.

Die daraus resultierende Studie erbrachte mehr als 50 Artikelveröffentlichenungen, die sich mit der Prävalenz (Anm.: Wert der Häufigkeit einer bestimmten Krankheit bei bestimmten Gruppen) und den Konsequenzen von negativen Kindheitserfahrungen befassen. Im weiteren Verlauf erfolgte Studien, haben diese hohe Häufigkeit von negativen Kindheitserfahrungen bestätigt bzw. noch höhere Fallanzahlen im gleichen Zeitraum in städtischen oder jugendlichen Bevölkerungsgruppen ermittelt.  Die erste dazu stattgefundene Studie wurde als Grundlage verwendet, um einen 10-Punkte-Screening-Fragebogen zu entwickeln.

NPR erklärt hierzu wie folgt: Dieses Screening-Score ist eine Zusammenstellung verschiedener Arten von Missbrauch, Vernachlässigung und anderer Merkmale einer harten Kindheit. Laut der ersten Studie bezüglich negativer Kindheitserfahrungen, ist das Risiko für spätere (Gesundheits)probleme umso höher, je härter Ihre Kindheit ist.

 

Es stellte sich heraus, daß negative Erfahrungen in der Kindheit überraschend häufig und weit verbreitet sind. Etwa zwei Drittel der Befragten berichten von Erfahrungen mit mindestens einem der folgenden Ereignisse während der Kindheit:

  • körperliche Misshandlung
  • sexueller Missbrauch
  • psychisch-emotionaler Missbrauch
  • körperliche (physische) Vernachlässigung
  • psychisch-emotionale Vernachlässigung
  • Erfahrungen mit/durch häusliche(r) Gewalt
  • Geisteskrankheiten innerhalb der Familie
  • Getrennt lebende Eltern bzw. Scheidung
  • eingesperrte Mitglieder innerhalb der häuslichen Familie

Ich persönlich habe mich mit meinen Kindheitstraumata erst im Alter von 39 Jahren befasst; als meine Ehe in Trümmern lag. Der Grund dafür war nicht etwa, daß ich mich nicht damit befassen wollte, was mit mir seinerzeit passiert war. Ich sollte mich wohl erst mit 29 Jahren daran erinnern, als ich mich nach einem Autounfall im Krankenhaus erholte (Ich liebe die Funktionsweise unseres Gehirns).

Als ich mich dann erst einmal daran erinnerte, versuchte ich weitere 10 Jahre lang, es für mich zu behalten.

 

Als Teenager und sogar bis in meine 20er Jahre hinein war ich der Überzeugung, Liebe nur dann zu erfahren bzw. zu bekommen, wenn ich mit jemandem Sex habe. Bewusst wurde ich mir dieser Denkstruktur und Funktionsweise erst, als ich an Tony Robbins Seminar "Erkenne dein Schicksal" teilnahm. Seither arbeitete ich mit vielen Frauen zusammen, die in physisch-körperlich und psychisch-emotional belasteten Beziehungen standen und nicht verstehen konnten, warum sie das so lange ertrugen - bis sie zurückblickten und feststellten, daß sie als Kinder aufwuchsen und beobachteten, wie der Vater die Mutter körperlich und/oder psychisch misshandelte.

 

Menschen, die negative Kindheitserfahrungen erlebt haben, sind nicht nur einem erhöhten körperlichen Gesundheitsrisiko ausgesetzt, sondern lieben auch anders, weil sie unbewusst negative Erwartungen in Verbindung mit Liebe haben. Sie tun dies nicht bewusst;  vielmehr werden jene Muster ausgespielt, die durch aus dem Unterbewusstsein auftauchen und das Gehirn steuert die Show sozusagen via Autopilot.

Solange man sich nicht seiner eigenen unbewussten Muster bewusst wird, -jener Muster, die Überzeugungen und Ängste beeinflussen, wird dasselbe Band der Show in der bewussten, realen Welt wieder und wieder abgespielt.

 

Man stelle sich Folgendes vor: Wenn du auf deiner persönlichen Zeitachse des Lebens zurückblickst, würdest du dann ein Muster gescheiterter Beziehungen mit respektlosen und/oder gewalttätigen Partnern erkennen können? Oder jenes Muster, jemanden wirklich Großartigen und Liebevollen zu treffen und eine Beziehung einzugehen, nur um diese Beziehung dann selbst zu sabotieren; weil es einfach zu schön erscheint, um wahr zu sein?

 

Durch negative Kindheitserfahrungen wird das Unterbewusstsein schnell zu einem persönlichen Tyrann und fordert auf, Lügen wie z.B. die Folgenden zu glauben:

  • alle Menschen die ich liebe, werden mich bestimmt verletzen
  • ich habe es verdient, schlecht behandelt zu werden
  • ich bin es nicht Wert, lange und liebevolle Beziehungen zu führen

Unser wunderbares aber leider dem Ursprung dieser Reaktionen unbewusstes Gehirn versucht dann, uns Recht zu geben und uns so zu beschützen. Die Muster spielen sich dann in unserer Version von "Was Liebe ist" wieder und wieder ab.

 

Die wirklich gute Nachricht ist, daß man sich heilen und positive Bewältigungsmechanismen erlernen kann, um ein langes, gesundes und glückliches Leben voller wahrer, befriedigender Liebe führen zu können.

 

"Es gibt Menschen mit hohen Scoring-Werten (in Bezug auf negative Kindheitserinnerungen), denen es bemerkenswert gut geht", sagte Jack Shonkoff, Kinderarzt und Direktor des Zentrums für Kindesentwicklung an der Harvard University, gegenüber NPR. "Eine Resilienz entsteht im Laufe des Lebens; wirklich enge Beziehungen sind dabei der Schlüssel.  Jüngste Forschungsergebnisse deuten auch darauf hin, daß für Erwachsene Personen eine traumainformierte Therapie, die sich auf Kunst, Yoga oder Achtsamkeitstraining fokussiert - hilfreich sein kann.

 

Aus meiner eigenen Erfahrung heraus ist das bewusste Befassen mit dem Kindheitstrauma als Erwachsener eine gute Gelegenheit zu lernen, was wahre Liebe ist.

 

Wenn du lernst, dich selbst absolut und bedingungslos so zu lieben wie du bist; denn du bist bereits mehr als genug, lernst dudadurch, andere zu lieben und dabei Grenzen zu setzen, was du willst und was nicht.

Sich selbst lieben zu lernen bedeutet auch zu lernen Nein zu sagen und sich eben nicht einem Mann oder einer Frau hinzugeben, der/die zufällig mit (nach Hause) kommt, weil man sich einsam fühlt. Stattdessen möchte man eben lieber allein sein; mehr Selbstfindung betreiben und so eine Art persönliche Route festlegen, die dich zu einem Magneten für die Art romantischer Liebe macht, die du auch möchtest.

 

Ich habe nie wirklich gewusst, was wahre Liebe ist; bis zu dem Zeitpunkt, als ich mich selbst bedingungslos zu lieben lernte.  Auf einmal fand ich einen wirklich erstaunlichen, neuen Partner.

Und von da an lernte ich noch so vieles mehr:

  • ich fand heraus, daß "lieben" ein Verb ist und ich selbst kann entscheiden, wen oder was ich liebe
  • ich erkannte, daß ich es so verdammt Wert bin zu lieben und geliebt zu werden
  • ich lernte, die Vergangenheit endlich loszulassen, um das "Hier und Jetzt" zu lieben
  • ich lernte, meine perfekte Unvollkommenheit zu lieben, die mich zu dem macht, was ich bin
  • ich lernte meiner Intuition zu folgen und das Gute in Allem und Jedem zu sehen
  • ich habe gelernt, mich noch mehr zu lieben, damit ich mehr Liebe habe, um sie anderen zu geben

Vielleicht hast du -genau wie ich auch, nicht besonders viele gute Erinnerungen an deine Kindheit. Ich jedoch habe nun die Kraft, beide Seiten der Medaille in Bezug auf meine negativen Kindheitserfahrungen zu sehen.

 

Und wenn ich das kann, dann kannst DU das auch!